Fossiliensuche in Franken - Mistelgau
03.06.2024 / 29.05.2026
Wichtiger Hinweis vorab: Nach einer Mitteilung der Verwaltungsgemeinschaft Mistelgau ist das Graben nach Fossilien in der Tongrube Mistelgau (Fossiliengrube Mistelgau) derzeit untersagt. Demnach dürfen nur oberflächlich liegende Fossilien und Gesteine aufgelesen und gesammelt werden. Besondere Fossilien sind zur Begutachtung "vorzulegen".
Die Tongrube Mistelgau, südwestlich von Bayreuth gelegen, befindet sich auf dem Areal einer ehemalige Ziegeleigrube am südlichen Rand der Ortschaft Mistelgau (siehe hierzu Abb. 03; "Geol. Karte von Mistelgau ..."). Der Abbau der mergeligen Tone aus dem oberen Lias und dem unteren Dogger wurde 2005 nach jahrzehntelangem Bergbau eingestellt. Geplante und bereits durchgeführte Verfüllungen der Grube mit Bauschutt konnten durch zahlreiche Initiativen seitens der Gemeinde, des Urwelt-Museum Oberfranken (Bayreuth) und anderer Institutionen abgewendet werden. Heute steht die Tongrube Mistelgau unter Schutz und ist als Geotop (Geotop-Nummer: 472A016) ausgewiesen. Somit ist dieser erdgeschichtlich bedeutsame Ort auch überregional mit seinem hohen wissenschaftlichen Stellenwert ("Belemnitenschlachtfeld", Fischsaurierfunde, Pyritsteinkerne von Ammoniten sowie zahlreiche andere Fossilien in Museumsqualität) anerkannt worden.
Stratigrafisch waren Schichten aus dem oberen Lias (Unter-Toarcium, Posidonienschiefer und Ober-Toarcium, Jurensismergel) sowie aus dem unteren Dogger (Unter-Aalenium, Opalinuston) aufgeschlossen. Nur für eine kurze Zeit nutzte man auch versuchsweise Material für die Ziegelproduktion aus dem Amaltheenton (Lias delta) als Probegrabung im Südosten der Grube (siehe Abb. 01: "Historische Aufnahme von 2005").
Die Suche nach Fossilien ist derzeit weitestgehend nur eingeschränkt möglich und die nachfolgend vorgestellten Funde, vor allem Belemniten und Ammoniten, entstammen persönlichen Aufsammlungen aus den Jahren 2003 bis 2005. Ein bemerkenswert aktueller Fischsaurierfund, entdeckt und teilweise freigelegt von einem Stuttgarter Sammler, wurde unter der fachlichen Präsenz des Urwelt-Museum Oberfranken (Bayreuth) wohl inzwischen geborgen und wartet nunmehr auf eine Präparation (siehe Abb. 44 - 47).
Das bedeutsame "Belemnitenschlachtfeld" (siehe Abb. 02: "... Ausschnitt Belemnitenschlachtfeld ..."), einst als Grubensohle und stratigrafisch zwischen Posidonienschiefer und Jurensismergel gelegen, ist als solches nicht mehr sichtbar, wird aber thematisch am Ende dieses Artikels vorgestellt.
Für weitere Informationen, Internetempfehlungen sowie Kontaktaufnahme siehe auch unter Galerie: "Geotop und Fossiliengrube Mistelgau (Oberfranken)".
Literaturempfehlung:
Autorenkollektiv (2013) - Die Tongrube Mistelgau, Der Steinkern, H. 15
Brunnacker, K. (1955) - Geologische Karte von Bayern 1 : 25000 Nr. 6034 Mistelgau mit Erläuterungen, Bayr. Geol. Landesamt
Doyle, P. (1990) - The British Toarcian (Lower Jurassic) Belemnites, Part 1, Monograph Palaeontogr. Soc., London
Doyle, P. (1993) - Belemnite battlefields, Lethaia, Vol. 26
Jäger, M. (1995) - Echinodermata aus dem Ober-Toarcium und Aalenium Deutschlands I. Crinoidea: Cyrtocrinina und Millericrinina, Stuttg. Beitr. Naturk., Ser. B., Nr. 226
Kutscher, M. (1996) - Echinodermata aus dem Ober-Toarcium und Aalenium Deutschlands - II. Ophiuroidea, Stuttg. Beitr. Naturk., Ser. B, Nr. 242, 33
Richter, A.E. (1978) - Jura mit Lücken, Fossilien aus Mistelgau, Mineralien-Magazin 1978, H. 1
Richter, A.E. (1991) - Geologie und Paläontologie: Das Mesozoikum der Frankenalb, Vom Ries bis ins Coburger Land, Gondrom Verlag
Richter, A.E. (1993) - Die Belemniten - eine "langweilige Gesellschaft", Fossilien 1993, H. 4
Richter, A.E. (2000) - Geoführer Frankenjura, Geologische Sehenswürdigkeiten und Fossilfundstellen, Ammon Rey Verlag
Riegraf, W., Werner, G., Lörcher, F. (1984) - Der Posidonienschiefer - Biostratigraphie, Fauna und Fazies des südwestdeutschen Untertoarciums (Lias epsilon), F. Enke Verlag
Rohde, C. (o.J) - Der Obere Lias epsilon (bifrons-Zone) und angrenzende Subzonen in der Region Berg / Oberpfalz: ein Fundbericht, https://www.fossilienjaeger.de/index.php/8-abhandlungen/27-der-obere-lias-bifrons-zone-und-angrenzende-subzonen-in-der-region-berg-oberpfalz-ein-fundbericht
Schlegelmilch, R. (1973) - Fossilien aus der Tongrube Mistelgau bei Bayreuth, Aufschluss 24, H. 10
Schlegelmilch, R. (1985) - Die Ammoniten des süddeutschen Doggers, G. Fischer Verlag
Schlegelmilch, R. (1992) - Die Ammoniten des süddeutschen Lias, G. Fischer Verlag
Schlegelmilch, R. (1998) - Die Belemniten des süddeutschen Jura, G. Fischer Verlag
Schulbert, C. (2001) - Die Ammonitenfauna und Stratigraphie der Tongrube Mistelgau bei Bayreuth (Oberfranken), Beih. Ber. Naturw. Ges. Bayreuth e.V., H. 4
Schulbert, C., Nützel, A. (2008) - Über die jurassische Gastropodenfauna der Tongrube Mistelgau bei Beyreuth, Ber. Naturw. Ges. Bayreuth, 26
Schwegler, E. (1961-1971) - Revision der Belemniten des Schwäbischen Jura, Palaeontographica, Abt. A 116
Simonsen, S., Bauer, A. (2008) - Fossilien aus dem Lias zeta von Mistelgau, Der Steinkern 2008, H.1
Simonsen, S., Bauer, A. (2009) - Sammlerparadies mit ungewisser Zukunft - Die Tongrube Mistelgau, Fossilien 2009, H. 1
Urlichs, M. (1971) - Alter und Genese des Belemnitenschlachtfelds im Toarcien von Franken, Geol. Bl. NO-Bayern, 21
Urlichs, M., Wild, R., Ziegler, B. (1994) - Der Posidonienschiefer, Stuttg. Beitr. Naturk., Serie C, 36
Weismüller, M. (2017) - Eine Reise in das untere Jura der Region Altdorf - Die Region Altdorf und dessen Fossilien, Eigenverlag
Weitschat, W. (1973) - Stratigraphie und Ammoniten des höheren Untertoarcium (Oberer Lias) von NW-Deutschland, Geol. Jb., A 8

Abb. 01: Historische Aufnahme von 2005, Blick aus südöstlicher Richtung mit Probeschurf im Amaltheenton, der bereits mit Grundwasser vollgelaufen ist, 2012 wurde diese Probegrabung mit Bauschutt verfüllt.

Abb. 02: Ein kleiner Ausschnitt aus dem Belemnitenschlachtfeld (zw. Posidonienschiefer und Jurensismergel), welches auf der Grubensohle großflächig vorhanden war, Aufnahme 2005.
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Abb. 03: Geol. Karte von Mistelgau (veränderter Ausschnitt), Quelle: Bayerisches Geologisches Landesamt.

Abb. 04: Blick auf das Grubenareal aus südlicher Richtung, Aufnahme vom 01.04.2024.

Abb. 05: Grubenbereich mit deutlichen Spuren von größeren Grabungsaktivitäten, sowohl von Hobbysammlern als auch vom Naturkundemuseum Bayreuth ("Urwelt-Museum Oberfranken") angelegt.

Abb. 06: Südlicher Grubenbereich mit Bauschuttmaterial aus dem Toarcium. Eine Verfüllung der Tongrube mit Bauschutt scheint wohl vorerst gestoppt worden zu sein.

Abb. 07 u. 08: Größere Kalkblöcke sowie "Papierschiefer" zeigen erdzeitlich Gesteine aus dem Toarcium an.

Abb. 09: Abraumhügel mit Material aus dem Lias zeta (verkipptes Grubenmaterial), geeignet für das Absammeln von Kleinfossilien sowie für die Entnahme von Schlämmprobenmaterial.


Abb. 10 u. 11: Ausgewaschene Belemnitenrostren (meist zerbrochene Rostren aber auch juvenile Exemplare) lose auf den Abraumhügeln liegend, Hinweis auf geeignetes Schlämmprobenmaterial.

Abb. 12: Abgesammelte Belemnitenrostren (zumeist Dactyloteuthis sp. u. Acrocoelites sp. sowie Belemnitenbruchstücke mit aufgebrochener Alveole) von o.g. Abraumhügeln (Abb. 9, 10 u. 11).

Abb. 13: Ausgelesene Kleinfossilien (Crinoidenstielglieder, Seeigelstacheln, Gastropoden u.a.m.) aus einer Schlämmprobe (Lias zeta).

Abb. 14 u. 15: Kleinfossilien aus Abb. 13: Links mit Seeigelstacheln, rechts mit Crinoidenstielgliedern (Columnalia).

Abb. 16 u. 17: Crinoidenstielglieder (Columnalia), ggf. Balanocrinus sp. (beide Schichtflächen) aus einer Schlämmprobe (Lias zeta).

Abb. 18 u. 19: Juveniler Ammonit und Gastropoden aus einer Schlämmprobe (Lias zeta).

Abb. 20: Weitere Belemnitenrostren (zumeist Dactyloteuthis sp. u. Acrocoelites sp.), die lose auf den Abraumhügeln (Abb. 09) lagen, zumeist Bruchstücke aber auch vollständige Rostren sowie Rostren mit aufgebrochener Alveole.

Abb. 21 u. 22: Links Dactyloteuthis semistriata (ohne Epirostrum), rechts oben Neoclavibelus forthensis, unten Neoclavibelus neumarktensis (Altfunde von 2003 - 2005).

Abb. 23 u. 24: Links Dactyloteuthis sp., rechts Acrocoelites cf. conoidens (Altfunde von 2003 - 2005).

Abb. 25 u. 26: Links Rostrenbruchstücke mit aufgebrochener Alveole, rechts Rostrum mit verfüllten Bohrgängen (Ichnofossilien), lose Aufsammlung von den Abraumhügeln (Abb. 09).

Abb. 27: Unpräparierter Gesteinsblock mit eingelagertem und unbestimmten Ammoniten sowie aufsitzendem Belemniten (Dactyloteuthis sp.), Altfund von 2004.

Abb. 28: Gesteinsblock aus dem "Belemnitenschlachtfeld" mit Dactyloteuthis sp., Acrocoelites sp. sowie juvenile Rostren. Die Rostren zeigen in ihrer Einlagerung keine Strömungsausrichtung, liegen also "wild" durcheinander (Altfund von 2004).

Abb. 29: Angeschliffener Gesteinsblock aus dem "Belemnitenschlachtfeld", verschiedene Belemnitenrostren, die auch hier in ihrer Lageposition "wild" durcheinander liegen. Siehe auch unter Artikel: "Belemniten im Gipsbett" sowie unter "Belemniten - Sammlung" (Altfund von 2004).

Abb. 30: Unbestimmter und z.T. mit feinen Gipskristallen überkrusteter Ammonit (ggf. Cotteswoldia sp.), der bei einer Grabungsaktion (Lias zeta, Bergung eines Ichtyosauriers) Anfang April 2024 geborgen wurde.

Abb. 31: Oberflächlich limonisierter Ammonit (Pleydellia aalensis) auf einer schiefrigen Matrixplatte, Altfund von 2003.

Abb. 32 u. 33: Ammonit (ggf. Dumortieria sp.) in Pyriterhaltung, Altfund von 2003.

Abb. 34: Ammoniten (ggf. alle Pleydellia aalensis) in Pyriterhaltung, Altfunde von 2003.

Abb. 35 u. 36: Unbestimmter Ammonit (ggf. Pleydellia sp.) in Pyriterhaltung, Altfund von 2003.

Abb. 37: Zwei unbestimmte Ammoniten die hier stark überkrustet sind, in Pyriterhaltung, Altfunde von 2003.

Abb. 38: Altfund von 2003, Ammonit Pleurolytoceras cf. hircinum, mit deutlichen "Einschnürungen" und stark erosiven Strukturen im Bereich der Wohnkammer.

Abb. 39 u. 40: Gesteinsblock (beidseitig) mit zahllosen Fragmenten von Ammoniten, Altfund von 2003.

Abb. 41: Altfund von 2003, Gesteinsplatte mit Borsitra buchi (ehem. Posidonia bronnii) oder Steinmannia bronni.

Abb. 42 u. 43: Detailfotos aus Abb. 41 mit Borsitra buchi oder Steinmannia bronni (Posidonienschiefer).

Abb. 44: Grabungsaktiver Bereich (Lias zeta) mit Fundstelle eines Ichthyosauriers (April 2024).

Abb. 45: Schichtfläche und Ausschnitt der Lageposition zahlreicher Wirbel des z.T artikuliert erhaltenen Skeletts eines Ichthyosauriers.

Abb. 46 u. 47: Links fragmentarisch erhaltener Wirbel des Fundes aus Abb. 44 u. 45, rechts Gegenseite des Ichthyosaurier-Wirbels mit flächenhaft aufsitzenden Gipskristallen.
1. Ergänzung:
Die nachfolgend eingestellten Fotos wurden am 16.04.2025 aufgenommen. Im Grunde genommen hat sich das äußere Bild der Tongrube Mistelgau nach einem Jahr kaum verändert. Die Suche nach Fossilien ist derzeit noch immer nur eingeschränkt möglich. Lediglich gab es wohl im nordwestlichen Teil der Grube umfangreiche Grabungen von Seiten des Urwelt-Museum Oberfranken (Bayreuth). Hier wurde vorsorglich der gesamte Grabungsbereich eingezäunt. Auch konnten deutliche Spuren einer Grabung im südwestlichen Teil, im Posidonienschiefer, gesichtet werden. Hingegen war es erneut problemlos möglich, Feinmaterial aus dem Lias zeta (Abraumhaufen im nordwestlichen und südwestlichen Bereich der Tongrube) zum nachträglichen Schlämmen aufzunehmen.
Die informative Schautafel, die beim Betreten der Tongrube sofort auffällt wurde thematisch wie auch inhaltlich neugestaltet, zu deren Gestaltung auch Kinder einer Schule mit herangezogen wurden.
Abb. 48: Blick in die Tongrube Mistelgau aus östlicher Richtung (Aufnahme April 2025).

Abb. 49: Eine neu gestaltete Informations- und Schautafel beinhaltet zahlreiche Themen: "Fossilien der Grube Mistelgau", "Die Zeit des Lias (unterer Jura)", "Die Geschichte der Grube Mistelgau" sowie "Die Bergung eines Fossils".

Abb. 50: Bildlicher Ausschnitt zur Thematik "Die Zeit des Lias (unterer Jura)" mit den in der Grube ehemals aufgeschlossenen Schichten des Lias delta (Amaltheenton), Lias epsilon (Posidonienschiefer), Lias zeta (Jurensismergel) und des Dogger alpha (Opalinuston), Quelle: Veränderter Bild-Ausschnitt aus der Schautafel (Abb. 49).

Abb. 51: Eingezäuntes Areal einer wissenschaftlichen Grabung durch das Urwelt-Museum Oberfranken (Bayreuth).

Abb. 52: Unmittelbar benachbart befinden sich weitere Grabungsspuren von Sammlern, siehe hierzu auch die Abbildungen 44 bis 47.

Abb. 53: Sichtbare Grabungsaktivitäten von Sammlern im Posidonienschiefer.
Abb. 54 - 57: Fossilfunde aus den Grabungen, wie in Abb. 53 sichtbar: Abb. 54 u. 55 mit Meleogrinella substriata (ehem. Monotis substriata) und einem "angeschnittenen"/"Querbruch" fossilen Holzes. Abb. 56 u. 57 zeigt schemenhaft drei Ammoniten der Spezies Hildoceras.

Abb. 58: Ein weiterer grabungsaktiver Bereich im südwestlichen Bereich der Tongrube Mistelgau (Posidonienschiefer).
Abb. 59 u. 60: Zwei Fundstücke aus der Grabung im Posidonienschiefer (Abb. 58): Borsitra buchi (ehem. Posidonia bronnii) oder Steinmannia bronni.
Abb. 61: Abraumhügel mit natürlich aufgearbeitetem "Feinmaterial" aus dem Lias zeta (Jurensismergel), geeignet für Schlämmproben, jedoch oberflächlich bereits mit Vegetation überprägt.

Abb. 62: Oberflächlich "angereicherter Fossilfundus", meist Belemnitenbruchstücke, Foto vom Abraumhügel (Abb. 61), Lias zeta (Jurensismergel), Schlämmprobenmaterial.

Abb. 63: Blick auf das Grubenarial aus südlicher Richtung mit Spuren aktiver Grabungstätigkeiten (vorn links), dem "Posidonien-Hügel" (mittig mit Baumbewuchs) und einer weiteren Abraumaufschüttung aus dem Lias zeta (vorn rechts).
2. Ergänzung:
Die nachfolgenden Fotoaufnahmen stammen vom Oktober 2025.
Wesentliche Veränderungen konnten im gesamten Grubenbereich nicht festgestellt werden. Lediglich waren erneut Grabungsaktivitäten im westlichen Bereich des Lias zeta deutlich sichtbar. Es wurden vier oberflächliche Beprobungen aus dem Lias zeta (Abraumhügel nordwestlich sowie südwestlich der Grube) entnommen und für Schlämmproben aufbereitet. Bislang liegen aber nur Fossilfunde aus der Fraktion 1 (> 5mm) vor. Die Durchsicht der kleineren Fraktionen erfolgt demnächst.

Abb. 64: Herbststimmung in der Tongrube Mistelgau, Blick aus südlicher Richtung. Im Vordergrund und halb links sind die Aufschüttungshügel (Lias zeta) zu sehen, von denen oberflächlich Schlämmprobenmaterial entnommen wurde. Am oberen Bildrand ist die Ortschaft Mistelgau erkennbar.

Abb. 65: Mittig erkennbar sind weitere Aufschüttungshügel (Lias zeta) und die eingezäunte Grabungsstelle des Urwelt-Museums Bayreuth, Blick aus nordwestlicher Richtung.

Abb. 66 u. 67: Geeignetes Material für eine Schlämmproben-Aufbereitung. Es wurde hierbei nur oberflächlich toniges Locker-Material mit den dort aufliegenden Fossilien geborgen.

Abb. 68: Nach einer ersten Schlämmprobenaufbereitung mit warmen Wasser und einem Zusatz von Spülmittel, waren bereits zahllose Belemnitenfragmente sauber sichtbar. Dabei waren auch sehr viele Bruchstücke dabei, die Besonderheiten der Alveolarbereiche verschiedener Belemniten zeigten (siehe hierzu auch Abb. 76 - 79).

Abb. 69 u. 70: Zwei Steinkerne der Muschel Palaeonucula cf. hammeri aus der Fraktion 01 (Schlämmprobe > 5 mm). Auffallend und deutlich sichtbar die hervortretende "Mittelnaht".
Abb. 71: Größere Stielglieder von Crinoiden (Seelilien), hier Stielfragmente zusammenhängender Columnalia (aus Schlämmprobe > 5 mm, Lias zeta).

Abb. 72 u. 73: Zwei Ansichten eines Crinoidenstielgliedes, ggf. Isocrinus sp. (aus Schlämmprobe, Lias zeta).

Abb. 74: Belemnitenrostrum mit aufgebrochener Alveole, Acrocoelites (Odentobelus) curtus (aus Schlämmprobe, Lias zeta).

Abb. 75: Belemnitenfragment mit deutlicher Skulptur, die typisch für den Übergangsbereich zwischen Ortho- und Epirostrum ist (siehe hierzu auch Abb. 298 u.a. in "Fossiliensuche in Franken - Buttenheim, Anhang 9: Belemniten mit markanten Besonderheiten").

Abb. 76: Zwei Rostrenbruchstücke von Belemniten mit aufgebrochenen Alveolarbereichen. Dieses typische Fossil-Bild zeigt hier eine mit Sediment verfüllte Alveole ohne sichtbare Phragmokonerscheinungen sowie die nicht erhaltende und somit fehlende "Embryonalblase"/Protoconch.

Abb. 77: Ein seltener Fundumstand: Ein fragmentarisches Belemnitenrostrum mit aufgebrochener Alveole und kalzitisch erhaltenem kurzen Phragmokonabschnitt sowie daran anhaftend einer sehr gut erhaltene "Embryonalblase"/Protoconch.

Abb. 78 u. 79: Vergrößerung aus Abb. 77 mit der kalzitisch erhaltenden "Embryonalblase"/Protoconch (Durchmesser = 0,5 mm), ebenfalls aus einer Schlämmprobe geborgen (Lias zeta).

Abb. 80: Nochmals ein herbstliches Stimmungsbild aus der Tongrube Mistelgau (Aufn. 10/2025).
3. Ergänzung:
Nachfolgend eine Auswahl von Kleinfossilien/Mikrofossilien, welche mittels Schlämmverfahren gewonnen wurden. Das Schlämmprobenmaterial (10/2025) umfasste vier Eimer und wurde wie bereits erwähnt nur oberflächlich an unterschiedlichen Stellen entnommen. Die Fossilbreite war erfreulicherweise recht umfangreich gegeben, wobei ein "Übermaß" crinoider Ossikel (Columnalia/Stielglieder und Zirren/Anhänge) besonders auffiel. Erstmalig konnten auch kleine Haifischzähne geborgen werden, die jedoch nur selten in guter Erhaltung vorlagen. Alle Proben sind dem Lias zeta zuzuordnen.
Die fotografische Darstellung der Funde war erneut wegen der oftmals nur millimetergroßen Fossilobjekte schwierig, Darstellungen mit gewünschter Tiefenschärfe meist nicht möglich.
Die Fraktionsgrößen wurden entsprechend der Siebgrößen wie folgt vorgenommen:
Fraktion 1 = größer als 5 mm, Fraktion 2 = 1,5 mm bis 5 mm, Fraktion 3 = 1,0 mm bis 1,5 mm, Fraktion 4 = 0,5 mm bis 1,0 mm, Fraktion 5 = 0,3 mm bis 0,5 mm.
Abb. 81: Schüttungsbild mit kleinen und größeren Fossilien aus einer Schlämmprobe (Linienabstand auf der Ausleseschale = 10 mm).
Abb. 82: Schüttungsbild aus einer kleineren Fraktion mit zumeist Fossilresten von Crinoiden (Bildbreite = 25 mm).
Abb. 83: Juveniler Ammonit auf dem bereits die Kammerscheidewände bzw. Suturlinien erkennbar sind (Bildbreite = 6 mm).
Abb. 84: Steinkern einer Gastropode (Bildbreite = 6 mm).
Abb. 85: Innenansicht einer kleinen Muschel im Bereich des "Schlosses" (Bildbreite = 6 mm).
Abb. 86 u. 87: Interambulakralplatte eines cidariden Seeigels, äußerer und innerer Warzenring in verschiedener "Fokussierung" (Bildbreite jeweils 6 mm).

Abb. 88 u. 89: Zwei aneinander liegende Interambulakralplatten (Cidaride) in unterschiedlicher fotografischer "Fokussierung".
Abb. 90 u. 91: Zwei unterschiedliche Skulpturformen von kleinen Seeigelstacheln, vermutlich Cidariden zugehörig (Bildbreite jeweils 6 mm).
Abb. 92 - 97: Verschieden Crinoidenstielglieder in unterschiedlicher Form und Skulpturierung vorliegend (Bildbreiten von 6 mm bis 12 mm).
Abb. 98: Kleiner Haifischzahn in guter Erhaltung (Bildbreite = 6 mm).
Abb. 99 u. 100: Zwei Schüttungsbilder mit weniger gut erhaltenden Haifischzähnen (Bildbreite jeweils 6 mm).
Anhang: Das Belemnitenschlachtfeld

Abb. 101:
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