Fossilien aus Backsteinkalkgeschieben
01.01.2012 / 16.04.2026
Bemerkungen zum Gesteinstyp:
Im Beelitz-Seddiner-Raum ist z.T. eine übermäßige Häufigkeit im Auffinden des ordovizischen Geschiebetyps "Backsteinkalk" anzutreffen. Dieses Gestein bekam vor etwa 160 Jahren seinen eigenwilligen Namen von Sammlern des Berliner Raumes. Es handelt sich um kieselige Kalke, die im unverwitterten Zustand meist graublau, im verwitterten Zustand gelblich bis braun anzutreffen sind. Das Auffinden von Fossilien ist nicht selten nestartig ausgerichtet, jedoch meist gleichmäßig verteilt und extrem zerdrückt. Meist handelt es sich um Fragmente ganzer Fossilien. Die Fauna des Backsteinkalkes ist vielfältig. Neben Spurenfossilien, Receptaculiten, Bryocoen, Brachiopoden, Trilobiten, Gastropoden, Kopffüßern und Stachelhäutern sind in der Gesteins-Matrix oft nur schwer erkennbare Fossilreste enthalten. Hierzu gehören vor allem Mikrofossilien sowie sehr kleine Fossilfragmente, z.B. von Schwämmen.
Die Gesellschaft für Geschiebekunde nominierte den "Backsteinkalk" 2026 zum Sedimentärgeschiebe des Jahres. Siehe hierzu: https://www.geschiebekunde.de/geschiebe-des-jahres-2026/#sedi
Literaturempfehlung:
Bilz, W. (2022) - Fossilien von den Steinstränden der Eckernförder Bucht, Heimatgemeinschaft Eckernförde
Hinz-Schallreuter, I, Schallreuter, R. (2007) - Geschiebe aus der Geologischen Landessammlung und dem Deutschen Archiv für Geschiebforschung Greifswald, Receptaculites aus Backsteinkalk, Geschiebekunde aktuell, 23 (1)
Jänicke, K.-D. (2000) - Ein Receptaculit aus dem Backsteinkalk, Der Geschiebesammler, 33 (3)
Krause, P.G. (1895) - Das geologische Alter des Backsteinkalkes auf Grund seiner Trilobitenfauna, Jb. kgl. preuss. geol. L.-Anst. 1894, 15
Neben, W., Krueger, H.H. (1971) - Fossilien ordovicischer Geschiebe, Staringia 1, Nederlandse Geolog. Vereniging
Neben, W., Krueger, H.H. (1973) - Fossilien ordovicischer und silurischer Geschiebe, Staringia 2, Nederlandse Geolog. Vereniging
Neben, W., Krueger, H.H. (1975) - Fossilien kambrischer, ordovizischer und silurischer Geschiebe, Staringia 5, Nederlandse Geolog. Vereniging
Popp, A., Matter, U. (2026) Sedimentärgeschiebe des Jahres 2026 - Backsteinkalk, Geschiebekunde aktuell, 42. Jg., H. 1
Rhebergen, F. (1994) - Ordovicische algen I. Cyclocrinieten, Grondboor en Hamer, nr. 6, 1994
Rhebergen, F. (1997) - Ordovicische algen II: een vergaarbak, Grondboor en Hamer, nr. 1, 1997
Rietschel, S. (1969) - Beiträge zur Kenntnis der Receptaculiten, 1. Die Receptaculiten, Eine Studie zur Morphologie, Organisation, Ökologie und Überlieferung einer problematischen Fossilgruppe und die Deutung ihrer Stellung im System, Senckenbergiana lethaea, 50 (5/6)
Rietschel, S. (1970) - Beiträge zur Kenntnis der Receptaculiten, 2. Rekonstruktion als Hilfsmittel bei der Untersuchung von Receptaculiten (Receptaculitales, Thallophyta), Senckenbergiana lethaea, 51 (5/6)
Rudolph, F. (1997) - Geschiebefossilien, Teil 1: Paläozoikum, Fossilien, Sonderheft 12
Rudolph, F., Bilz, W., Pittermann, D. (2019) - Fossilien an deutschen Küsten, Finden und Bestimmen, Quelle & Meyer Verlag
Schallreuter, R. (1970) - Alter und Heimat der Backsteinkalkgeschiebe, Hercynia (Neue Folge), 6
Wittern, Artur (2006) - Fossilien des Backsteinkalks als Glazialgeschiebe in Kiesgruben zwischen Flensburg und Schleswig, Der Aufschluss, Jg. 57, H. 11/12
Zessin, W. (2018) - Seltene Funde aus dem oberordivizischen Backsteinkalk mit Stichocystis geometrica (Angelin, 1878) (Echinodermata, Cystoidea, Rhombifera, Stichocystidae), Mitt. Naturf, Gesellsch. Mecklenburg, 19 (1)
Nachfolgende Fotos zeigen eine mögliche Fossilbreite, wie man sie in Backsteinkalk-Geschieben antreffen kann.
Abb. 01: Lesesteinhaufen am Rande der Beelitzer Spargelfelder
Abb. 02: Backsteinkalke und alte Mauersteine/Ziegelsteine ähneln sich sehr in Farbe und Form. Hier wurden Gesteine beider Gesteinstypen auf einem Lesesteinhaufen abgelegt.
Bruchflächen:
Abb. 03 u. 04: Zwei typische innere Gesteinsstrukturen des Backsteinkalkes (Bruchflächen), links mit grauem harten Kern, rechts Bruchfläche mit fragmentarischen Fossilresten.
Spurenfossilien:
Abb. 05 u. 06: Gelegentlich sind Spurenfossilien im Inneren des Backsteinkalkes erhalten, hier in Form wurmartiger Verursachung.
Receptaculiten:
Abb. 07: Sehr selten anzutreffende Grünalge (Chlorophyta), hier Tettragonis murchisoni, mit erhaltenem Nucleus und Meronen. Siehe hierzu auch unter Jänicke (2000) - Ein Receptaculit aus dem Backsteinkalk, Der Geschiebesammler, 33 (3) sowie Rietschel 1969 u. 1970 (s. Literaturempfehlung).
Abb. 08: Eine weitere "receptaculite" Fossilform.
Abb. 09 u. 10: Bsp. drei in zwei Ansichten, siehe Abb. 11.
Abb. 11: dgl. in vollständiger Ansicht.
Abb. 12 u. 13: Ein weiteres Beispiel verkalkter Algen (Ischadites sp.) in einer porösen Backsteinkalkmatrix.
Bryozoen:
Abb. 14: Bryozoen (Moostierchen) findet man relativ häufig in verwitterten Backsteinkalkgeschieben. Hier eine längliche Form, die am rechten Rand den Beginn einer "Verästelung" zeigt.
Abb. 15 u. 16: Zwei Bryozoen in einer rundlichen Form, sowohl basal als auch ganzkörperlich ausgeprägt.
Abb. 17: Detailansicht von Abb. 16. Wegen der starken Verwitterung sind besonders innere Strukturen der "Fossilkolonie" erkennbar.
Brachiopoden:
Abb. 18: Platystrophia sp., Brachiopode/Armfüßer als Steinkern im Backsteinkalk.
Abb. 19: Pseudocrania sp., Brachiopode/Armfüßer ebenfalls als Steinkern erhalten.
Trilobiten:
Abb. 20 - 25: Sechs Trilobitenbeispiele (Kopf- und Schwanzschilde), hier vor allem die breite Formenvielfalt andeutend.
Abb. 26 u. 27: Pharostoma nieszkowskii und Estoniops bekkeri.
Abb. 28 u. 29: Oculichasmops mutica und Platylichas sp.

Abb. 30: Conolichas sp.
Abb. 31: Autoloxolichas laxatus.
Abb. 32: Scopelochasmops wrangeli (Schmidt 1881), unt. Teil der Idavere Substufe C3 alpha (jüngerer Backsteinkalk), Bestimmung durch H.H. Krueger (Berlin).
Abb. 33: Trilobitenfragment (Kopfschild) mit Facettenauge mit deutlich sichtbaren Einzelaugen (Ommatidien).
Schnecken:
Abb. 34 u. 35: Zwei Beispiele von Schneckenfunden, die stets in Steinkernerhaltung vorliegen/gefunden werden.
Kopffüßer:
Abb. 36: Nautiloidea aus dem Backsteinkalk. Fragment mit drei deutlich erkennbaren Kammern sowie mittig liegendem Sipho.
Stachelhäuter:
Abb. 37: Crinoidenstielfragment im Backsteinkalk, mittig als Steinkern und randlich in calcitischer Fossilerhaltung vorliegend.
Abb. 38 u. 39: Links ein einzelnes Crinoidenstielglied, rechts "bizarr" verwittertes Fragment eines Crinoidenstieles.
Abb. 40:Cystoidea aus dem Backsteinkalk (Echinosphaerites sp.)
Abb. 41: Zentrale Sammelstelle für all die kleinen und großen eiszeitlichen Geschiebe, die bei der Bewirtschaftung der Beelitzer Spargelfelder anfallen.
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