Küstendynamik und Strandfunde zwischen Fischland und Darßer Ort
11.06.2022 / 26.05.2026
Ein wichtiger Hinweis vorab: Der Küstenabschnitt "Hohes Ufer", zwischen den beiden Ostseebädern Wustrow und Ahrenshoop gelegen, ist desöfteren von starken Kliffabbrüchen (Abbrüche von Geschiebeschollen, Rutschungen, Steinschlägen) geprägt. Ggf. wird deshalb auch dieser Bereich wegen der erhöhten Unfallgefahr abgesperrt.
Das Fischland-Hochufer ist geologisch eiszeitlich geprägt. Das Kliff, bis 20 Meter hoch, zeigt im Profilanschnitt zumeist Bereiche einer Grundmoräne mit Geschiebemergel und Geschiebelehm aber auch Schmelzwassersande und obenauf sogar Dünen. Es ist ganzjährig von starken Abtragungen betroffen, weshalb auch stets vor möglichen Gefahren gewarnt wird. Im Spülsaumbereich sind zumeist faustgroße eiszeitliche Geschiebe vorliegend. Dabei kann man die ganze Breite der Gesteine (Magmatite, Metamorphite und Sedimentgesteine) vorfinden. Für die Fossiliensammler sind u.a. Seeigel aus der Oberkreide aber auch Fossilien aus dem Paläozoikum bedeutsam. Freunde der kristallinen Geschiebe werden über zahlreich Porphyr-Varianten erfreut sein.
Nordwestlich der Halbinsel kann man ein Geotop bestaunen. Der "Neudarss" erhielt 2006 das Prädikat "Nationaler Geotop" und kann zu Recht als ein "einzigartiges Bauwerk der Ostsee" bezeichnet werden. Strandwälle (z.T. bewachsen), Dünen und "Strandseen" können zu Fuß erkundet werden.
Literaturempfehlungen:
Naumann, M., Lampe, R. u.a. (2010) - Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst - Spätpleistozäne und holozäne Entwicklung der südlichen Ostsee und ihres Küstensaumes, Exkursion B, in: Eiszeitlandschaften in Mecklenburg-Vorpommern, DEUQUA Exkursionen, Geozon Science Media
Jänicke, K.-D. (2022) - Der Geschiebestrand zwischen Dwasieden und Mukran (Rügen) - Steilküste, Küstendynamik und Fossilfunde: https://fossilien-steine.hpage.com/der-geschiebestrand-zwischen-dwasieden-und-mukran.html
Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (?) - Das Fischland-Hochufer, Küste in Bewegung: https://www.lung.mv-regierung.de/static/LUNG/dateien/fachinformationen/Geologie/geogefahren/tafel_fischland.pdf
Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (?) - Der Neudarss, nationaler Geotop: https://www.nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de/fileadmin/boddenlandschaften/Inhaltsseiten/wissen_verstehen/Nationalpark/05_darss_ng_korr_ks.pdf
Abb. 01: Lage der Steilküste "Hohes Ufer" zwischen Ostseebad Wustrow und Ostseebad Ahrenshoop. Quelle: Veränderter Kartenausschnitt von Nordland Kartenverlag GmbH.

Abb. 02: "Ablagerungen am Hochufer des Fischlandes - schematisches geologisches Profil". Quelle: Informationstafel "Das Fischland-Hochufer, Küste in Bewegung", Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg Vorpommern (R. Reinicke).
Abb. 03: Steilküste und Uferbereich am "Hohen Ufer" von Ahrenshoop.

Abb. 04 u. 05: Frisch abgebrochener Geschiebe-Lehm an der Steilküste zwischen Ahrenshoop und Wustrow.

Abb. 06: Kliffabbrüche am "Hohen Ufer". Braune Erdmassen = Geschiebelehm, graue Erdmassen = Geschiebemergel.

Abb. 07 u. 08: Erosionserscheinungen am Klifffuß (Brandungshohlkehlen).
Abb. 09: Ein typisches Bild vom Geschiebestrand, Bereich des Spülsaumes. Hier sind alle Gesteinstypen miteinander vereint: Magmatite, Metamorphite und Sedimentgesteine.
Abb. 10: Im Geschiebe-Mergel liegende kleine "Kreidescholle", die schon sehr einem "Verfallsprozess" ausgesetzt vorliegt.
Abb. 11: Drei stark abgerollte Kreide-Funde, die vermutlich aus dem Geschiebe-Lehm bzw. Geschiebe-Mergel ausgespült wurden.
Abb. 12: Ein "Wimmelbild" verschiedener Gesteine, eiszeitlicher Geschiebe, im Spülsaum mit einem etwa mittig liegenden stark beschädigten Seeigel (Typ "Galerites").
Abb. 13: Echinocorys sp., irregulärer Seeigel aus der Kreidezeit. Hier im Wasser des Spülsaumes liegend.
Abb. 14 - 17: Drei Kreideseeigel vom Typ "Galerites" in verschiedenen Ansichten und in unterschiedlichen Erhaltungszuständen vorliegend.
Abb. 18: Feuerstein mit weißer Patina im Spülsaum.
Abb. 19 - 22: Feuersteingeschiebe mit deutlichen Spurenfossilien (Ichnofossilien), ggf. Chondrites isp..
Abb. 23: Eine messingfarbene Markasit-Knolle mit einer warzigen Außenschicht auf einem Kalkgeschiebe aufsitzend.
Abb. 24: Kalkgeschiebe mit Gletscherschrammen, die hier in "gekreuzten" Ausrichtungen vorliegen.
Abb. 25: Jotnischer Sandstein mit Entfärbungsflecken (Ausbleichung durch Verwitterung).
Abb. 26 u. 27: Zwei Geschiebe-Funde von Roten Orthoceren-Kalk.
Abb. 28: "Mittlerer" Roter Orthoceren-Kalk (Geschiebe aus dem Ordovizium), hier aufgeschlagen aber ohne Makrofossilien.
Abb. 29: Porphyrischer Rapakivi-Granit, genannt "Ringquarz-Porphyr". Hier sind die eingelagerten Quarze mit einem "Ring" von schwarzer Hornblende umgeben.
Abb. 30: Porphyrisches Geschiebe im Spülsaum.


Abb. 31 u. 32: Zwei Küstenimpressionen, aufgenommen im Mai 2022 am Strand südwestlich von Ahrenshoop (Fischland).
Abb. 33: "Geologische Karte der Halbinsel Darß", Quelle: Informationstafel "Der Neudarss, nationaler Geotop", Landesanstalt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (R. u. M. Reinicke).
Abb. 34: "Verlandung durch Küstendynamik": Ein geologischer Schnitt, der die Bildung von Strandwällen, Dünen und "Strandseen" nach mehrmaligen Sturmfluten zeigt. Quelle: siehe Abb. 33.
Abb. 35: "Sandhaken am Darßer Ort": Hier sind Sandverlagerungen als beständige Veränderungen, Anlandungsbereiche sichtbar. Quelle: siehe Abb. 33.
Abb. 36: Darßer Weststrand mit angespülten Geschiebe.
Abb. 37: Nahaufnahme von angespültem Geschiebe am Darßer Weststrand.
Abb. 38 u. 39: Streifig und dunkel gefärbt (violett) ist hier "Schwermineralsand" zu sehen.
Abb. 40 u. 41: Abschließend nochmals zwei Küstenimpressionen vom Neudarß (Leuchturm und markanter "Windflüchter" sowie ein Dünenaufschluss an der Ostsee).
Ergänzung:
Das "Natureum Darßer Ort": Ein Naturkundemuseum im Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft", unmittelbar am Leuchtturm Darßer Ort gelegen.
Darßer Ort 1-3, 18375 Born am Darß, Tel.: 038233/304
Abb. 42: Plakatierung und Hinweise zum "Natureum Darßer Ort".
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