Vorstellungen zur Genese eines Achates (ein Diskussionsbeitrag!)
10.07.2025 / 12.08.2025
Dieser Artikel ist Herrn Prof. Heiner Vollstädt zu seinem 86. Geburtstag gewidmet!
Achate als Halbedelsteine sind hinreichend bekannt und bei Sammlern sehr beliebt, liefern sie doch als geschnittene und polierte Gesteine oftmals schöne "Bilder im Gestein". Bildliche Achatbezeichnungen, wie Augenachat, Bänderachat, Dendritenachat, Festungsachat, Moosachat sowie Trümmerachat, sagen bereits einiges über Farben und Strukturen des jeweiligen Achates aus, sind aber auch stets sehr subjektiver Bezeichnungsnatur. Der hier vorgestellte Achat wurde mir vor ein paar Tagen persönlich von Herrn Prof. Heiner Vollstädt übergeben. Bedauerlich, dass in diesem Fall kein Zettel vorhanden war, der Hinweise zum Fundort hätte geben können. Dennoch soll dieser außergewöhnliche Achat hier vorgestellt und zudem auch Mutmaßungen zur Genese formuliert werden.
Von den bildlichen Gegebenheiten wären Bezeichnungen wie "Wolken-, Federchen- oder Flammenachat" möglich. Diese sind aus Rio Grande do Sul (Brasilien) aber auch aus Mexiko bekannt, aber von der Größe her wesentlich kleiner. Aus der Region um Freisen (Saarland) liegen ebenfalls Achat-Funde vor, die solche Mineralstrukturen aufweisen.
Diskussion zur Achatgenese:
Von den Rändern her zeigt sich, dass in der ersten Phase der Achatbildung, sich Silikate an der Hohlraumwand gebildet haben. Diese hinterlassen eine eher raue Oberfläche am Achat. Sie sind bei Funden um Freisen nicht ungewöhnlich aber auch nicht häufig. Erst danach konnte sich eine erste Chalcedonschicht bilden, die mit Eisenoxid eine rote Bänderung ergab. Silikatfäden haben in den Hohlraum hineingeragt und an ihnen Chalcedon konzentrisch angelagert. In der zweiten Phase entstand eine weiße Bänderung, durch Umwandlung von Feldspat in Kaolin sowie die Bildung der hellen "Ferderchen". Unter dem Mikroskop ist erkennbar, dass es dicht aneinander liegende Quarzkristalle sind.
Die weitere Achatbildung ist derzeit noch nicht eindeutig bestimmbar. Es gab aber gewiss temporäre Schwankungen, tektonische Störungen, die zu diesem "Durcheinander" bereits geformter Achatteile geführt haben. Sie wurden ggf. durch Erschütterungen von der Randzone losgerissen und in die noch gelförmige Silikat-Masse eingelagert. Dafür spricht der weiße Sphärolit, der eigentlich nur in der Randzone eines Quarzkeimes entstehen kann. In diesem Fall befindet er sich aber an anderer Stelle. Dies trifft auch auf die Silikatbüschel zu, die frei im Chalcedon "schwimmen". Zudem fehlt an der rechten Seite der polierten Achatfläche die erste rot-weiße Bänderung, die sich ggf. ebenfalls abgelöst hat.
Danksagung: Für die umfangreiche fachliche Beratung sowie für Literaturbereitstellung und Literaturempfehlungen danke ich ganz herzlich meinem Sammlerfreund aus Potsdam. Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Heiner Vollstädt für die Schenkung des hier vorgestellten Achates.
Literaturempfehlungen:
Blankenburg, H.-J. (1988) - Achat - Eigenschaften, Genese, Verwendung, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie
Bode, R., Wittern, A. (1989) - Mineralien und Fundstellen, Bundesrepublik Deutschland, Bode Verlag
Glas, M. (2000) - Wie entstehen Achate? - Interview mit Michael Landmesser, in: extraLapis No. 19, Christian Weise Verlag
Haake, R. (2000) - Achate sammeln in Deutschland, Teil 1 - Ein praktischer Führer zu den Achatvorkommen in Sachsen, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt, Bode Verlag
Landmesser, M. (2000) - Wie entstehen Achate, Extra Lapis 19 Achat
Landmesser, M. (1984) - Das Problem der Achatgenese, Mitt. POLLICHIA, 72
Lentz, G. (1999) - Entstehung der Farben in den Achaten, Der Aufschluss 50/348
Liesegang, R. E. (1915) - Die Achate, Verl. von Theodor Steinkopff
Prüfer, P. (2005) - Gedanken zur Achat-Genese, Aufschluss, 56, 159-171
Rustemeyer, P. u.a. (2010) - Achate, geboren aus Vulkanen, extraLapis No. 39, Christian Weise Verlag
Rykart, R. (1989) - Quarz-Monographie, Ott Verlag Thun
Schäfer, R. M. (2013) - Der Mineralienverein Freisen: Aktiv im Zentrum der Achate, in: der Aufschluss, Jg. 64, H. 6
Zenz, J. (2009) - Achat-Schätze - Entstehung, Geschichte, Fundorte, Lexikon, Bode Verlag, Edition Mineralien-Welt

Abb. 01: Geschnittene und geschliffene Fläche des Achates (130 x 68 mm), F.O. derzeit unbekannt.
Abb. 02: Achatfläche mit markierten Bereichen, die nachfolgend einzeln als Foto abgebildet werden (Abb. 06 - 20); Abb. 03: Rückseite bzw. Bruchfläche des Achates.
Abb. 04 u. 05: Vergrößerungen aus Abb. 03.
Die Nachfolgenden Fotos sind jeweils Bildausschnitte von der polierten Achathälfte (siehe Abb. 02). Eine Beschreibung zur mutmaßlichen Genese wird ggf. nachgereicht, ist aber weiter oben im Haupttext bereits angesprochen worden.

Abb. 06:

Abb. 07:

Abb. 08:

Abb. 09:

Abb. 10:

Abb. 11:

Abb. 12:

Abb. 13:

Abb. 14:

Abb. 15:

Abb. 16:

Abb. 17:

Abb. 18:

Abb. 19:

Abb. 20:
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