Fossiliensuche in Franken - Schlaifhausen, Feldfundstellen 3

08.05.2025 / 25.05.2026


Die Ammoniten bzw. die "Ammonitenfelder" von Schlaifhausen sind wohl unter Paläontologen und sonstigen geologischen Fachkreisen weltweit bekannt. Ich selbst habe diese Fundstelle, die sich östlich von Forchheim und südlich zwischen den Ortschaften Schlaifhausen und Dietzhof befindet, bereits drei Mal aufgesucht. Dabei wurden lediglich oberflächliche Fossilfunde aufgenommen, wobei auch "Großplatten" (bis 65 cm) dabei waren. Diese befinden sich noch immer in einem "Dornröschenschlaf" der Präparation. 

Die hier vorgestellte dritte Feldfundstelle aus Franken wird fotografisch relativ "kurz" vorgestellt, soll aber an dieser Stelle nicht wertend aufgefasst werden. Ein Grund dessen ist vornehmlich das eher "Nichtinteresse" an Ammoniten und das Hauptinteresse an Belemniten, die in geringerer Fundhäufigkeit dennoch an dieser Fundstelle gefunden werden können (Lias epsilon, Dactylioceraten-Bank/"Communis-Bank"). In der unten angegebenen Literatur wird zudem fast ausschließlich Bezug auf die dortigen Ammoniten genommen. Dactylioceras athleticum ist wohl das "Markenzeichen" jener Ammoniten, die man vor Ort solitär aber auch wie gewünscht als sog. Fossilstufe finden kann. Einst oft "ergraben", z.T. sogar mit "Baggertechnik" geborgen, siehe hierzu den anschaulich bebilderten Artikel von A.E. Richter (2007). Dennoch, auch heute kann man immer noch gute Fossilfunde machen, wenn auch nicht in den großen "Fossilstufen-Dimensionen". 

Der örtlichen Situation entsprechend sind es hier im Besonderen die "kalten" Jahreszeiten, die man für die Fossilfindung nutzen sollte. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, vermeide man tunlichst in den landwirtschaftlichen "Hochzeiten" die Äcker nach Fossilien abzusuchen. Aus diesem Grund waren auch aktuell nur eingeschränkt Fotogegebenheiten im April 2025 möglich. 


Weitere Feldfundstellen in Franken, siehe unter:

https://fossilien-steine.hpage.com/artikel/fossiliensuche-in-franken-kaelberberg.html

https://fossilien-steine.hpage.com/fossiliensuche-in-franken-feldfunde.html


Abb. 1: Ackerfläche südlich von Schhlaifhausen, Aufnahme April 2025


Abb. 2: Geologische Karte von Forchheim, Blatt 6232 (veränderter Kartenausschnitt mit Fundortmarkierung südlich von Schlaifhausen), Quelle: Bayerisches Geologisches Landesamt


 


 

Abb. 3 - 6: Dactylioceras athleticum: Vier Fundbeispiele, wie man sie unmittelbar von der Ackeroberfläche auflesen kann, meist stark erodiert bzw. mechanisch durch Bearbeitung der Ackerkrume "angeschlagen".


 

Abb. 7: Gesteinsblock mit zahlreichen Ammoniten, die zumeist alle horizontal in der Matrix vorliegen und ggf. zu Dyctylioceras sp. gehören. Hier ist nur teilweise eine natürliche Präparation vorliegend, ein medialer Schnitt und ein Anschleifen der Schnittfläche wäre in diesem Fall denkbar.



 

Abb. 8 - 11: Dactylioceras athleticum: Vier Beispiele, wie die Ammoniten nach einer Präparation (natürliche und nachträglich mechanische sowie chemische Bearbeitung) als Kleinstufen aber auch solitär aussehen können.


 

Abb. 12: Gesteinsplatte (23 x 21 cm) mit drei Belemniten-Rostren, ggf. Acrocoelites sp. 


 

Abb. 13: Eine weitere Gesteinsplatte (28 x 22 cm) mit mehreren Belemniten-Rostren, ggf. 4 x Acrocoelites sp. (untere Hälfte) sowie 1 x Dactyloteuthis sp. (oben).


 

Abb. 14: Ackerfläche (Blick in nordwestliche Richtung) mit bereits aufgehender Saat, auch hier sollte man diese Flächen nicht mehr zum Fossiliensammeln begehen.


 

Abb. 15: Voll im "Grün" stehende Ackerfläche mit Blick auf den Eichelberg bei Dietzhof (423 m ü. NN)


Literaturempfehlung:

Arp, G., Gropengießer, S. (2016) - The Monotis-Dactylioceras Bed in the Posidonienschiefer Formation (Toarcian, southern Germany): condensed section, tempestite or tsunami-generated deposit?, PalZ 90

Dietz, W. (2004) - Präparation von Schlaifhausen-Material, Onlinemagazin "Der Steinkern.de"

Kontermann, K. (2022) - Präparation einer Dactylioceras-Stufe aus dem Toarcium (Unterjura) von Schlaifhausen, Der Steinkern, H. 50

Lang, F. (2021) - Dactylioceras-Stufe mit Hildoceras bifrons aus Käswasser (Kalchreuth), Onlinemagazin "Der Steinkern.de"

Lang, F. (2022) - Große Dactylioceras-Stufe aus Käswasser, Onlinmagazin "Der Steinkern.de"

Lang, F. (2025) - Präparation einer Dactylioceras-Stufe aus dem Toarcium (Unterjura) von Kalchreuth-Käswasser, Onlinemagazin "Der Steinkern.de"

Richter, A. E. (1991) - Geologie und Paläontologie: Das Mesozoikum der Frankenalb, Gondrom Verlag

Richter, A.E. (2000) - Geoführer Frankenjura, Geologische Sehenswürdigkeiten und Fossilfundstellen, Ammon Rey Verlag

Richter, A.E. (2007) - Die berühmten "Ammonitenfelder" von Schlaifhausen, Onlinemagazin "Leitfossil.de"

Riegraf, W., Werner, G., Lörcher, F. (1984) - Der Posidonienschiefer - Cephalopodenfauna, Biostratigraphie und Fazies des südwestdeutschen Untertoarciums (Lias epsilon), Enke-Verlag 

Schlegelmilch, R. (1992) - Die Ammoniten des süddeutschen Lias, Gustav Fischer Verlag

Schlegelmilch, R. (1998) - Die Belemniten des süddeutschen Jura, Gustav Fischer Verlag

Suchopar, J. (1995) - Schlaifhausen: Über die Entstehung einer bekannten Fossilfundstelle, Fossilien, H. 3

Zenske, W. (2008) - Gute Funde auf den Schlaifhausener Ammonitenfeldern, Onlinemagazin "Leitfossil.de"


Ergänzung 1:

Die nachfolgenden Aufnahmen entstanden im Oktober 2025 und die Fossilfunde selbst wurden entsprechend der Fundsituation vor Ort und in gegebener Fundlage aufgenommen. Eine notwendige Reinigung und ggf. anstehende Präparationen der aufgelesenen Ammoniten erfolgt später, wobei bei ggf. vorliegenden "Naturpräparaten" vieles sich erübrigen wird. Zu den Landwirten wurde diesbezüglich kurz Kontakt am Feldrand aufgenommen, so dass das Betreten und Absuchen der bereits bestellten Felder (Aussaat von gebeiztem Weizen vor ca. 5 Tagen) wohlwollend geduldet wurde.


Abb. 16: Gleiche Stelle und gleicher Ort wie Abb. 15, jedoch sechs Monate später: Blick auf den Eichelberg bei Dietzhof.


 


 

Abb. 17 - 20: Eine noch "grobe Ackerscholle", die zwar kurz abgesucht wurde aber auf Grund der noch groben Erdstruktur keine Fossilien und Gesteine in gewünschter Weise zeigte.


 


Abb. 21 u. 22: Eine weitere Ackerfläche wurde hier nochmalig bearbeitet, so dass die Ackerkrume nunmehr wesentlich feinstrukturierter vorlag und diese zudem vor ca. 5 Tagen auch noch mit einem Saatgut (gebeizter Weizen) "bestellt" wurde. Hier zeigten sich sogleich sehr gute Fundmöglichkeiten beim Ablaufen der Feldfläche.


 


 


 


 

Abb. 23 - 29: Ein paar Fundbeispiele, so wie sie vor Ort auf der Ackerfläche lagen: Dactylioceras athleticum, Lias epsilon, Dactylioceraten-Bank/"Communis-Bank".


 

Abb. 30: Ein besonderer Fund, dem man gelegentlich noch begegnen kann: Eine Gesteinsplatte steckte tief im Erdreich/Ackerboden und war nur mit einer "Außenkante" bzw. "Außenfläche" zu sehen (linkes Foto). Auch wenn hier noch die Fossilfläche stark verschmutzt zu sehen ist (rechtes Foto), so ist dennoch bereits eine schichtflächige Lage der Ammoniten zu sehen.


Abb. 31: Immer wieder schön anzusehen, wenn Wildkräuter mit Ihren Blüten "bezaubern": Geruchslose Kamille sowie rötlich aussehend, zwei Saatkörner des bereits genannten gebeizten Weizens. Gebeizter Weizen deshalb, damit die Kleinnager und die zahlreichen Vögel die Saat nicht wesentlich dezimieren.


 

Abb. 32 u. 33: Zwei weitere Wildkräuter: Ehrenpreis und eine Raue Gänsedistel.


 

Abb. 34: Hier im Hintergrund zu sehen, die Bestellung der Ackerflächen mit frischem Saatgut. Zudem ist ein kurzes Gespräch mit den Landwirten und damit verbunden das Einholen einer Erlaubnis zum Betreten der Ackerflächen, stets sehr sinnvoll.


 

Abb. 35: Schließlich noch der Blick auf die dortige kleine Feldkapelle, gelegen zwischen den Orten Schlaifhausen und Dietzhof.


Ergänzung 2:

Die nachfolgend abgebildeten Ammoniten wurden im Oktober 2025 von einer Ackerfläche zwischen Schlaifhausen und Dietzhof lose aufgelesen und lediglich mit warmen Wasser (plus Spülmittelzusatz) und einer mittelharten Bürste gereinigt.

Die Abbildungen 36 bis 47 zeigen jeweils Ammonitenfunde von Dactylioceras athleticum.


 

Abb. 36:

 

Abb. 37 u. 38:

 

Abb. 39 u. 40:

 

Abb. 41:

 

Abb. 42:

 

Abb. 43 u. 44: Rückseite von Abb. 42 (Dactylioceras athleticum) und "anhaftenden" Muscheln.

 

Abb. 45:

 

Abb. 46 u. 47:

 

Abb. 48: Ein eher seltener Fund: Hildoceras cf. bifrons, leider mit bereits deutlichen Erosionsspuren. 

 

Abb. 49: Unbekannter Ammonit, ggf. Pseudolioceras sp. oder Phylloceras sp.. Hier sind die Erosionsspuren besonders stark ausgeprägt, so dass sich eine Bestimmung des Ammoniten nur vermuten lässt.


Ergänzung 3:

Nachfolgende Aufnahmen entstammen einer Schlämmprobe. 

Hierbei wurde während der oberflächlichen Behandlung der mit Erde behafteten Ammonitenfunde das anfallende Material aufgefangen und anschließend kurz mit H2O2 aufbereitet. Die Menge an Kleinfossilien/Mikrofossilien war eher gering, die Fossilbreite jedoch relativ "breit" aufgestellt (Cephalopoden, Echinodermen, Gastropoden u.a.). Jedoch zeigte sich, dass die Fossilerhaltung stark durch "Huminsäuren" beeinträchtigt gelitten hat. 

Die hier gezeigten Aufnahmen zeigen juvenile Cephalopoden, die als "Steinkerne" keine Rippenstruktur erkennen lassen und somit vorerst ggf. nicht bestimmbar sind sowie ein ebenfalls juveniler Gastropode (Abb. 57). Bei der Abbildung 50 könnte es sich ggf. um einen Schneckensteinkern (Coelodiscus cf. minutus) handeln, siehe hierzu auch unter "Fossiliensammeln in Franken - Buttenheim, Anhang 14: Coelodiscus in "Laibsteinen"". Die Fossilgrößen der hier gezeigten Kleinfossilien/Mikrofossilien schwanken zwischen 1,2 mm und 3,2 mm.


 

Abb. 50: Bsp. 1 (ggf. handelt es sich hierbei nicht um einen juvenilen Ammoniten sondern um die Schnecke Coelodiscus cf. minutus.

 


 

Abb. 51 - 54: Bsp. 2 bis 5 (nicht bestimmbare Kleinfossilien/Mikrofossilien)

 

Abb. 55 u. 56: Kammerfragmente juveniler Ammoniten, die gelegentlich als sog. "Katzenpfötchen" bezeichnet werden.

 

Abb. 57: Gastropode (juvenil) in calcitischer Erhaltung.


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